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Geschichte der Haartransplantation

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Von den ersten Versuchen zur modernen Technik

Dass ein gewisses Maß an Haarausfall natürlich ist, lernt man schon in der Schule. Immerhin unterliegt das Haarkleid einem ganz natürlichen Zyklus. Bis zu 100 Haare dürfen jeden Tag ausgehen, ohne dass man sich Sorgen darüber machen muss. Nach einer Haarwäsche sind es sogar mehr. Doch mehr als zwei Drittel aller Männer und bis zu 30 Prozent aller Frauen leiden im Laufe ihres Lebens an Haarausfall, der über die natürliche Menge hinausgeht. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen: Meistens spielen erbliche Faktoren eine entscheidende Rolle, doch auch langfristige Diäten oder Hormonschwankungen können dazu führen. Schon seit mehreren Jahrhunderten beschäftigt das Thema Menschen in aller Welt. Das beweist die lange Geschichte der Haartransplantation.

 

Geschichte der Haartransplantation: Warum die Verpflanzung so wichtig ist

Bereits im 18. Jahrhundert erfolgten erste Versuche, Haare zu transplantieren. Das beweist, dass es schon damals für Menschen ein wichtiges Thema war, Haarausfall effizient behandeln zu können. Damals waren die ersten Transplantationen allerdings noch wenig erfolgreich. Doch warum ist es für die Betroffenen so schwer, sich mit Haarausfall abzufinden? Folgende Faktoren spielen dafür eine entscheidende Rolle:

  • Volles Haar wird mit Attraktivität und Jugend gleichgesetzt
  • Eine schöne Frisur gehört für viele zu einem perfekten Outfit dazu
  • Bemerkungen aus dem Umfeld machen es für Betroffene nicht leichter
  • Veränderung der Persönlichkeit durch den hohen Leidensdruck

Während bei Männern Haarausfall von der Gesellschaft in der Regel als normales Phänomen erachtet wird, haben Frauen meist noch mehr darunter zu leiden. Bei der weiblichen Bevölkerung kommt noch ein weiterer Grund dazu, warum für sie Haarausfall nur schwer zu ertragen ist: Viele identifizieren sich mit einer speziellen Frisur. Obwohl man ohne Kopfhaar vom medizinischen Standpunkt her durchaus gut leben kann, leiden Betroffene enorm. Zum Glück gab es schon im Jahr 1939 die ersten Erfolge in der Geschichte der Haartransplantation. Dann gelang es nämlich dem japanischen Arzt Okunda erstmals menschliches Haar zu verpflanzen.

Haartransplantations Methoden im Überblick: Die Geschichte im Zeitraffer

Dr Okundas Technik basiert auf der sogenannten Punchmethode. Dabei werden mit einem Zylinder mit rund 4 Millimeter Durchmesser behaarte Hautteile entnommen. Mit demselben Zylinder setzte der Arzt aus Japan die Haarteile am Empfängerbereich ein. Es bedarf nicht viel Vorstellungskraft um zu erkennen, dass das Resultat nicht mit den heutigen modernen Methoden vergleichbar ist. Büschelförmig sah das Haarkleid nach dieser Verpflanzungsmethode nämlich aus. Entwickelt hat der Mediziner die Technik übrigens nicht um erblich bedingten Haarausfall zu bekämpfen. Vielmehr ging es ihm darum, Brandopfern zu helfen, die unter den kahlen Stellen im Narbenbereich litten. Eine bahnbrechende Erkenntnis machte der amerikanische Forscher Dr Orentreich im Jahr 1959: Er stellte nämlich fest, dass verpflanzte Haare auch bei genetisch bedingtem Haarausfall im Empfängerbereich normal weiterwachsen. Meistens bleibt bei erblich bedingtem Haarausfall ein Haarkranz am Hinterkopf stehen. Die dort verbliebenen Haare weisen keine Überempfindlichkeit gegen eine spezielle Art des männlichen Hormons Testosteron auf. Genau diese Überempfindlichkeit führt nämlich dazu, dass sich die bekannten Geheimratsecken zeigen und es in weiterer Folge zu einer Stirnglatze kommt. Im Zuge der Verpflanzung bleibt das Haar jedoch an der neuen Stelle gesund. Diese Erkenntnis gibt bis heute Betroffenen Hoffnung, durch eine Haartransplantation wieder volles Haarkleid zu erlangen.

Neuere Geschichte der Haartransplantation

Die Vorreiter der heute noch teilweise angewendeten FUT (Follicular Unit Transplantation) geht auf die Erkenntnisse von Orentreich und seinen Vorreitern zurück. Bei dieser Methode wird ein bis zu 20 Zentimeter langer und einen Zentimeter breiter Hautstreifen vom Haarkranz entnommen. Bei den meisten Betroffenen eignet sich der Bereich zwischen den Ohrmuscheln am besten dafür. Allerdings handelt es sich bei dieser Methode um eine kleine Operation. Schließlich muss der Spenderbereich genäht werden. Außerdem kommt es selbst nach gutem Verheilungsverlauf zu einer Narbenbildung. Nach der Entnahme wird der Hautstreifen unter dem Mikroskop zerkleinert. Immerhin besteht das Haarkleid aus Follikelgruppen, die meist zu zwei bis vier Haaren zusammengefasst sind. Bis zur Einsetzung im Empfängerbereich bewahren die Experten der Haarkliniken die einzelnen Follikel in einer sterilen Lösung auf. Anschließend erfolgt die Transplantation in die vorbereiteten Kanäle im Empfängerbereich. Die FUT Technik eignet sich bei starkem Haarausfall besonders gut, da eine größere Menge an Follikel auf einmal entnommen werden kann. Außerdem muss vor dem Eingriff keine Rasur erfolgen. Die Anwuchsrate bei der FUT Methode ist sehr gut: Die meisten Betroffenen dürften sich nach einer Verheilungsphase über volles Haarkleid freuen. Allerdings dauert es einige Zeit, bis Patienten nach der Haartransplantation wieder voll fit sind. Auch ein gewisser Wundschmerz am Entnahmebereich kann vorkommen.

Geschichte der Haartransplantation: Neue Entwicklungen

Wer Wissenswertes über Haartransplantationen nachliest, kommt an der FUE Methode nicht vorbei. Bei der Follicular Unit Extraction handelt es sich um ein minimalinvasives Verfahren, das nach dem neuesten Stand der Technik arbeitet. Dabei werden Haarfollikelgruppen einzeln entnommen. Dabei gehen die Experten der Haarwuchsinstitute äußerst behutsam vor. Mit einem Mikromotor erfolgt die Lockerung der Wurzeln mit rotierenden Bewegungen. Anschließend kann mit einer Hohlnadel die Follikelgruppe entnommen werden ohne sie zu beschädigen. Da die Profis immer nach der natürlichen Wuchsrichtung der Haare arbeiten, kommt es kaum zu Verletzungen. Die mikroskopisch kleinen Wunden heilen von alleine und müssen nicht genäht werden. Die Haarfollikel kommen nach der Entnahme in eine spezielle Nährstofflösung. Das Einsetzen erfolgt gleich wie bei der FUT Methode: In vorbereitete Kanäle trägt der Profi die Grafts auf. Voraussetzung für den Erfolg ist allerdings die Rasur des Spenderbereichs auf eine Haarlänge von rund einem Millimeter. Daher lässt sich der Eingriff vor der Außenwelt nur schwer verheimlichen. Allerdings ist diese innovative Technik weit schonender als die FUT Methode. Immerhin kommt es zu keinerlei Narbenbildung. Die kleinen Wunden am Hinterkopf verheilen rasch und in den meisten Fällen auch komplikationslos. Einer der Nachteile liegt allerdings in der relativ langen Behandlungsdauer. Je nachdem wie viele Follikelgruppen verpflanzt werden, dauert die Prozedur mehrere Stunden. In seltenen Fällen wird die Behandlung sogar auf zwei Tage ausgeweitet. Da während der Haartransplantation nur eine örtliche Betäubung der Kopfhaut vorgenommen wird, ist der Patient allerdings voll ansprechbar. Die meisten Haarklinken unterhalten die Klienten während der Transplantation mit Musik oder Fernseher. Nach dem Verfahren sind Patienten nur für einige wenige Tage nicht voll einsatzbereit. In den ersten Tagen sollte kein Sport gemacht werden. Außerdem werden spezielle Pflegeprodukte empfohlen, die es direkt in der Haarklinik gibt.