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Schlaftrunkenheit beim Autofahren

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Manche Menschen würden wohl alles tun, um berühmt zu werden, wie die lange Liste tollkühner Experimente im Guinnessbuch der Rekorde bezeugt. Manche Disziplinen erwiesen sich gar als so gefährlich, dass sie nicht länger im Buch erfasst werden – eine davon ist der vorsätzliche Schlafentzug.

Schlaftrunkenheit beim Autofahren ist genauso gefährlich, wie sich betrunken ans Steuer zu setzen.

Wir haben bereits gesehen, wie sehr der Schlafmangel deiner Gesundheit schaden kann. Doch je nach Kontext, etwa beim Autofahren, macht er dich außerdem zu einer Gefahr für andere Menschen. Wer nämlich über einen längeren Zeitraum weniger als sieben Stunden pro Nacht schläft, läuft deutlich größere Gefahr, einen Autounfall zu bauen.

Kann eine Stunde aber wirklich einen so großen Unterschied machen?

Ja. Denn schon diese eine fehlende Stunde bringt den Körper dazu, das Defizit durch Sekundenschlaf ausgleichen zu wollen.

Die kurze Dauer ist tatsächlich das Einzige, was den Sekundenschlaf vom normalen Schlaf unterscheidet. Denn der Sekundenschlaf ist tief genug, um alle motorischen Funktionen auszuschalten. Es ist also egal wie kurz jemand am Steuer einnickt. Er kann in dieser Zeit nicht mehr Auto fahren. Selbst bei einer vergleichsweise niedrigen Geschwindigkeit wie 30 km/h braucht es keine zwei Sekunden, um von einer in die andere Spur zu gleiten. Somit kann bereits ein zweisekündiger Sekundenschlaf einen verheerenden Verkehrsunfall verursachen. Doch Schlafmangel erhöht nicht nur das Risiko eines Sekundenschlafs – er beeinträchtigt auch deine Reaktionsfähigkeit. Einer australischen Studie zufolge ist die Schlaftrunkenheit beim Autofahren sogar genauso gefährlich, wie sich betrunken ans Steuer zu setzen.

Die Forscher teilten die Teilnehmer in zwei Gruppen. Die Probanden der ersten Gruppe tranken genauso viel Alkohol, dass sie die gesetzlich zulässige Promillegrenze erreichten, also einen Blutalkoholspiegel von 0,08 Prozent. Die andere Gruppe wurde 19 Stunden lang am Schlafen gehindert. Bei dem anschließenden Konzentrationstest schnitten die übermüdeten Probanden gleich schlecht ab wie die offiziell Betrunkenen.

Behalte all das im Hinterkopf, wenn du dich das nächste Mal müde ans Lenkrad setzt, denn Schlaftrunkenheit ist dabei genauso unverantwortlich wie Alkohol.

Schlafwandeln kann tödlich enden, wird aber nicht durch Träume verursacht.

In der Nacht zum 24. Mai 1987 stieg der damals 23-jährige Kanadier Kenneth Parks barfuß in sein Auto, um etwa 23 Kilometer zum Haus seiner Schwiegereltern zu fahren. Er betrat das Haus und erstach seine Schwiegermutter mit einem Küchenmesser. Danach, auf dem Weg nach Hause, geschah das wohl Ungewöhnlichste an der ganzen Geschichte: Parks wachte auf.

Du hast richtig gelesen: Parks beging den Mord im Schlaf. Fälle wie dieser sind der Grund, weshalb Walker die Schlafforschung als eine der spannendsten medizinischen Disziplinen bezeichnet. Das klingt zunächst widersprüchlich, erscheint aber weniger paradox, wenn wir an schlafwandelnde Mörder denken. Parks war bereits viele Male schlafgewandelt und daher zunächst nicht überrascht, mitten in einer Handlung zu sich zu kommen. Dann aber bemerkte er das Blut an seinen Händen. Der junge Mann fuhr direkt zur nächsten Polizeiwache, um sich zu stellen. Er erzählte den diensthabenden Beamten, er habe womöglich jemanden umgebracht. Er wisse nur nicht wen. Parks wurde des Mordes angeklagt, plädierte aber auf Unzurechnungsfähigkeit. Mehrere schlafmedizinische Gutachten bestätigten, dass er zum Zeitpunkt der Tat schlafgewandelt war. Die Jury sprach ihn schließlich frei. An dieser Stelle sollte erwähnt sein, dass Schlafwandeln meist ungefährlich ist und Parks’ Fall eine seltene Ausnahme darstellt. Und wir sollten auch erwähnen, dass Schlafwandler nicht automatisch das ausführen, was sie im Traum erleben.

Man könnte schließlich annehmen, Parks hätte von einem Mord geträumt, während er seine Schwiegermutter attackierte. Aber die Forschung deutet in eine andere Richtung: Studien zeigen nämlich, dass Menschen nicht während der REM-Phase schlafwandeln. Dazu passen die völlig leeren Erinnerungen in flagranti erweckter Somnambulen. Dem Schlafwandeln geht nur ein traumloses Nichts voraus.

Und das wiederum würde erklären, warum Kinder häufiger schlafwandeln als Erwachsene. Denn sie verbringen deutlich weniger Zeit in der traumreichen REM-Phase. Somit bleibt ihnen mehr Zeit, um schlafend durch die Gegend zu laufen.

Guter Schlaf kommt durch viel Sonnenlicht und den Verzicht auf Alkohol und Tabak.

Wenn wir ehrlich sind, kommen wohl nur die wenigsten von uns auf gesunde acht Stunden Schlaf pro Nacht. Und falls doch, ist der Schlaf nicht durchgehend gut, weil wir uns vor dem Aufstehen etliche Male hin und her wälzen oder sogar komplett wach liegen. Das liegt oft daran, dass wir mental ständig auf Sendung sind und uns um unbeantwortete Nachrichten und unerledigte Aufgaben sorgen.